Wechsel in der Geschäftsführung des Green and Sustainable Finance Cluster Germany zum 1. April 2023 

Karsten Löffler und Michael Schmidt im Interview mit Kristina Jeromin

Der Vorstand des Green and Sustainable Finance Cluster Germany e.V. (GSFCG) hat Michael Schmidt mit Wirkung zum 1. April 2023 zum Geschäftsführer und besonderen Vertreter des Vereins bestellt. Michael Schmidt folgt auf Karsten Löffler und wird im Tandem mit Kristina Jeromin die strategische Weiterentwicklung des Vereins im dynamischen Aktivitätsfeld Sustainable Finance vorantreiben.

Für den aktuellen Cluster-Newsletter hat Kristina Jeromin mit Karsten Löffler und Michael Schmidt über das Cluster, Sustainable Finance und Chancen und Herausforderungen im Aufbau nachhaltiger Finanzstrukturen gesprochen.

Karsten, Was hat Dich ursprünglich an der Idee des Clusters begeistert und dann überzeugt, Geschäftsführer zu werden?

Karsten Löffler: Das Cluster ist eine großartige Initiative, die viele große und wichtige Akteure im Finanzsektor zusammenbringt. Alle vereint das Ziel, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten und auf diese Weise auch die eine oder andere Herausforderung zu meistern. Im Grunde war es eine Fortführung meiner Mandate bei der Allianz, nun nur am deutschen Finanzplatz und über Versicherung und Asset Management hinausgehend. Bei UNEP FI z. B. hatte ich als Chair der Climate Change Advisory Group den gemeinschaftlichen Ansatz bereits sehr zu schätzen gelernt. Insofern musste ich nicht lange überlegen.

Wenn Du auf die letzten fünf Jahre zurückblickst, was hat Dich am meisten an der Arbeit in der GF begeistert, und wo lagen die Herausforderungen?

Löffler: In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Wahrnehmung der Bedeutung eines im umwelt- und sozialen Sinne nachhaltigen Finanzsektors vervielfacht. Es gab meines Erachtens selten eine spannendere Zeit, an der Gestaltung mitzuwirken. Das habe ich aus der Geschäftsführung des Clusters heraus mit sehr viel Begeisterung und – hoffentlich – immer mit einem Blick auf das ambitioniert und praktisch Machbare versucht zu realisieren; sei es in der Arbeit mit den im Cluster engagierten Finanzinstituten, auf deutscher Ebene im Sustainable-Finance-Beirat oder in Brüssel in der Technischen Expertengruppe und der Sustainable Finance Plattform. Besonders vielsprechend halte ich die Arbeit des Clusters und der beteiligten Institute in der Net Zero Banking Alliance Germany. Ich wünschte aber, es gäbe weniger Herausforderungen … z. B. vor lauter Fragezeichen bei der Umsetzung der durchaus umfangreichen Regulierung den Blick für das eigentliche Ziel zu behalten, nämlich die Kunden bei der Transformation ihrer Geschäftsmodelle finanzierend zu begleiten. Auch mehr Standardisierung vor allem hinsichtlich der Verfügbarkeit von und des Zugangs zu Nachhaltigkeitsdaten würde ich mir wünschen.

Vor Dir liegen spannende neue Themen. Kannst Du uns etwas zu Deinem neuen Projekt verraten – und dürfen wir im Cluster darauf hoffen, dass Du uns wenigstens ein bisschen erhalten bleibst?

Löffler: Ich habe bereits zum 1.1.2023 die Mitleitung der Global Shield Solutions Platform (www.global-shield-solutions.org) im Bereich International Advisory Services der Frankfurt School of Finance & Management übernommen. Es handelt sich um einen neuen Multi-Donor Trust Fund zur Entwicklung und Finanzierung von Climate and Disaster Risk Finance and Insurance-Lösungen (CDRFI), der von Deutschland und Dänemark sowie voraussichtlich weiteren Ländern getragen wird. CDRFI-Lösungen sind ein wichtiger Meilenstein zur finanziellen Absicherung von klimabedingten Schäden und Verlusten in Ländern des globalen Südens. Sie haben das Ziel, im Fall der Fälle schnell für finanzielle Hilfe sorgen zu können. An diesem Thema hatte ich bereits während meiner Jahre bei der Allianz und hin und wieder auch im Rahmen von ähnlich gelagerten Projekten des Frankfurt School UNEP Centres gearbeitet. Es wird sehr spannend sein, das Design von CDRFI-Lösungen konkret mitzugestalten. Das reicht u. a. von Schadenmodellen, der Datenbeschaffung, Schulungen für Entscheidungsträger im Land, der Entwicklung von Risikotransferkonzepten und -lösungen bis zur Unterstützung der Implementierung z. B. durch die Übernahme von Versicherungsprämien.

Mit dem Cluster und der Cluster-Gemeinde werde ich ganz sicher eng verbunden bleiben. Wie das im Einzelnen aussehen kann, wird die Zeit zeigen; zu tun bleibt genug. Für die lange und sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit insbesondere mit dir, Kristina, dem Vorstand und allen, die im Cluster aktiv waren und sind, bedanke ich mich sehr. Du und Michael werdet ein tolles Team sein, das neue Impulse setzen wird. Dafür drücke ich euch beide Daumen.

„Das Cluster ist eine großartige Initiative, die viele große und wichtige Akteure im Finanzsektor zusammenbringt.“

Michael, Du hast in den letzten Jahren im Thema Sustainable Finance einiges bewegt. Was waren hier für Dich die spannendsten Stationen?

Schmidt: Ich bin glücklich, wenn ich schon einen Beitrag zum Verständnis und zur Verankerung von Sustainable Finance leisten konnte. Es gab viele spannende Momente, die ich ja auch in meinem Beitrag zu dem von Dir mitherausgegebenen Buch*) beschreiben durfte. Alles begann im Grunde mit meiner etwas unerwarteten Rolle in der HLEG**) 2017-2018. Ich war der einzige Vertreter aus Deutschland und neu in den Brüsseler Prozessen, merkte aber schnell, was für ein umwälzendes Projekt die EU-Kommission mit Sustainable Finance vorhatte. Ich fühlte eine Verantwortung, diese Entwicklungen mit vielen Stakeholdern auch in Deutschland intensiv zu diskutieren. So entstand ja mit Deiner Initiative bei der Deutschen Börse und zusammen mit dem Hub for Sustainable Finance und der DVFA der erste Sustainable Finance Gipfel Deutschland, ein tolles Multi-Stakeholder-Projekt. Eine große Dynamik entwickelte sich, die mich begeisterte und die ich begleiten durfte, nicht zuletzt die Entstehung des Clusters und der Beschluss des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige Entwicklung, dem die Gründung des Sustainable Finance Beirats folgte.

Neben dieser Policy-Arbeit hat es mich besonders gefreut, in meinen Verantwortungen im Asset Management über viele Jahre Nachhaltigkeit umsetzen zu können: von der Integration ins Fondsmanagement über die Entwicklung von Anlagelösungen für verschiedene Kundengruppen bis hin zur Verankerung in der Unternehmensstrategie. Aus dieser Erfahrung weiß ich auch, dass Sustainable Finance ein evolutionärer Prozess ist, der Überzeugung, Beharrlichkeit und Vermittlung braucht.

Was treibt Dich an?

Schmidt: Letztendlich war und ist es mir ein Anliegen – und ich sage das auch als nüchterner, von freien Marktkräften überzeugter Investor – dass die Menschen in der Finanzbranche Nachhaltigkeit als eine Chance für Sinn und Wertschöpfung ihres Tuns sehen: Purpose and Performance. Und dass auf diese Weise auch der Finanzplatz Deutschland der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung unseres Landes entspricht.

Was hat Dich bewogen, das Cluster als GF zu unterstützen und wo siehst Du seine Potentiale – gerade auch im Hinblick auf die Positionierung in der nationalen, europäischen und internationalen Sustainable Finance-Bewegung?

Schmidt: Das Cluster ist aus meiner Sicht die zentrale Anlaufstelle und Plattform für Sustainable Finance in Deutschland. Wir brauchen das auch – denn gerade von internationalen Partnern werde ich immer wieder plakativ gefragt, welche Telefonnummer sie zu diesem Thema bei uns anrufen sollen. Die Antwort ist heute leider noch: es ist kompliziert. Das Cluster kann aber genau diese Nummer sein. Denn das Cluster ist kein monolithischer Verein von Partikularinteressen. Es hat vielmehr die Anschlussfähigkeit für die vielfältigen Aktivitäten und Akteure in Sustainable Finance. Das ist der Mehrwert, den ich mit den Mitgliedern, den Sponsor:innen und allen interessierten Stakeholdern weiter fördern möchte – auch für einen führenden deutschen Standort.

„Das Cluster ist aus meiner Sicht die zentrale Anlaufstelle und Plattform für Sustainable Finance in Deutschland.“